Lebensgefühl Rockmusik HH aus EE
Swinging Hips“ mit den drei (von 17) Hippies                                                             22.04.2018 (Das Abschlusskonzert der Musikwerkstatt mit den 17 Hippies im Kloster Michaelstein zu Blankenbur g.) Heute   gehe   ich   ins   Kloster,   genauer   gesagt   ins   Kloster   Michaelstein   bei   Blankenburg.   Manchmal   ist   das   sinnvoll   und außerdem   war   es   schon   lange   mein   Wunsch.   Zu   Füßen   des   Harz   gelegen   und   vom   Wald   berührt,   der   hier   beginnt,   kann man   sich   von   den   irdischen   Widrigkeiten   dieser   Welt   abkoppeln,   wenn   man   wieder   mal   die   Schnauze   voll   hat   und   so etwas wie „back to the roots“ braucht. Heute ist so ein Tag und deshalb gehe ich ins Kloster. In   der   Musikscheune   vom   Kloster   möchte   ich   etwas   Besonderes   erleben.   Keine   Rock“Legenden“   und   auch   nicht „Meister“   Blackmore,   sondern   einfach   nur   Musik.   Unter   dem   Motto   „Swinging   Hips“   wurden   hier   ein   paar   Noten aufgeschrieben,   gemeinsam   ausprobiert,   was   daraus   werden   könnte,   um   letztlich   gemeinsam   zu   musizieren.   Für   die Werkstatt   kamen   Musikenthusiasten   aus   Frankreich,   aus   Schweden   und   sogar   aus   Deutschland   nach   Blankenburg gereist.   Zwei   Tage   haben   sich   drei   der   17   Hippies   sehr   gemüht,   aus   dieser   bunt   zusammengewürfelten   Truppe   einen homogenen   Klangkörper   zu   formen.   Die   Teilnehmer   wurden   in   die   Musikwelt   der   17   Hippies   eingeführt,   um   bei   einem krönenden   Konzert,   am   heutigen   Sonntagnachmittag,   das   Erarbeitete   zu   Gehör   zu   bringen.   Ich   gehöre   zu   jenen,   die freiwillig   hier   ins   Kloster   gehen,   um   dieses   außergewöhnliche   Orchester   klingen   zu   hören.   Wann   erlebt   man   ein Orchester,   das   in   einem   Kloster   seine   Premiere   begeht,   die   gleichzeitig   ein   Abschlusskonzert   darstellt?   In   dieser Zusammensetzung werden die Musiker nie wieder erleben sein!                                                      Alle Fotos dieser Seite kann man durch Anklicken vergrößern. Was   für   eine   schöne   Anlage   und   was   für   ein   wundervoller   Ort,   sich   intensiv   mit   handgemachter   Musik   zu   beschäftigen! Zwei   Tage   wurde   in   diesem   Refugium   in   kleinen   Gruppen   geübt   und   ausprobiert.   Nun   warten   Verwandte,   Freunde   und Neugierige,   um   das   Ergebnis   der   Werkstatt   zu   bestaunen.   In   diesen   Minuten   erinnere   ich   mich   an   jene   Zeit,   als   ich täglich   Violine   übte   und   an   das   jährlich   Schülerkonzert   vor   den   Eltern.   Ich   denke   an   meine   Eltern,   insbesondere   an Paps,   und   ich   denke   sehr   gern   an   meine   Musiklehrerin   Renate   Thaten,   der   ich   viele   wundervolle   Musikerlebnisse   in Gemeinschaft   zu   verdanken   habe.   Plötzlich   kann   ich   die   Anspannung   und   Nervosität   vieler   Gäste   hier   spüren.   Da drinnen   warten   deren   Kinder,   warten   Geschwister,   Eltern,   Verwandte   und   Freunde   auf   ihren   großen   Auftritt.   Sie   haben vielleicht   Lampenfieber,   „Herzklopfen   kostenlos“   und   nur   wer   selbst   einmal   ein   Instrument   spielte   oder   noch   musiziert, kann   dieses   schöne   anregende   Gefühl   und   die   besondere   Atmosphäre   nachvollziehen.   Genau   deshalb   ist   dieses   Konzert heute   auch   für   mich   mit   keinem   von   denen   vergleichbar,   die   ich   in   den   vergangenen   Jahren   erlebt   habe.   Es   ist   wie   eine Reise in meine Kindheits- und Jugendjahre und das Erinnern daran. Drei   Musiker   der   Berliner   Band   17   HIPPIES,   nämlich   Daniel   &   Daniel   sowie   Kruisko,   führen   sowohl   die   Musiker,   als   auch die   Gäste   mit   viel   Begeisterung   durch   das   kleine   Konzertprogramm.   Sie   erklären   uns   Gästen,   was   in   den   zwei   Tagen passiert   ist   und   sie   führen   die   Musiker   mit   viel   Fingerspitzengefühl   an   die   jeweilige   Aufgabe   heran   und   hindurch.   Das   zu erleben,   ist   mindestens   ebenso   unterhaltsam   wie   das,   was   wir   zu   hören   bekommen.   Das   Konzert   beginnt   mit   „Tick Tack“,   einem   Stück   voller   Rhythmik,   die   vor   allem   von   den   verschiedenen   Instrumentalgruppen   wie   Bläser,   Streicher, Bass   oder   Akkordeon   abwechselnd   getragen   wird.   Genau   die   richtige   Nummer,   eventuell   vorhandene   Zurückhaltung fallen   zu   lassen   und   der   Freude   am   Musizieren   den   Vorrang   zu   geben.   Mir   bereiten   die   bewegungsintensiven   Einlagen des   Dirigierenden   besonderes   Vergnügen.   Anzusehen,   wie   da   jemand   „steuert“   und   diesen   Klangkörper   als   ganzes klingen lässt, ist eine besondere Freude. Auch   beim   zweiten   Stück   „Mad   Bad   Cat“   genieße   ich   dieses   Miteinander.   Ein   einziger   HIPPIE,   der   vor   mindestens   35 (gezählten)   Musikern   stillsicher   agiert,   ihnen   Sicherheit   gibt   und   eine   „Böse   verrückte   Katze“   für   uns   tanzen   und   singen lässt.   Gleiches   Erlebnis   auch   bei   „Time   Has   Bend“   und   wieder   ist   es   das   ungezwungene   und   lockere   Miteinander,   das mich,    neben    der    Musik,    fasziniert.    Als    sie    dann    eine    sehr    besondere    Version    des    hebräischen    Volksliedes    vom Glücklichsein   -   „Hava   Nagila“   -   ankündigen,   wird   es   richtig   spannend,   denn   es   soll   auch   improvisiert   werden.   Tatsächlich erleben   wir   eine   Mischung   aus   der   Melodie   des   eigentlichen   Liedes   und   lebhaften   tonalen   und   rhythmischen   Ausflügen etwas   abseits   der   Grundidee.   Da   werden   Akkorde   nach   oben   und   unten   über   die   Notenlinien   gedehnt,   es   wird   am Tempo   gedreht   und   kleine   stilistische   Ausflüge   gewagt.   Das   alles   mit   35   (gezählten)   Musikern,   die   sich   seit   zwei   Tagen kennen,   lässt   uns   alle   staunen   und   begeisternd   mitgehen.   Als   dann   ein   Volkslied   aus   Venezuela   angekündigt   wird,   klingt das   kleine   Konzert   mit   „Galeron“   leider   schon   aus.   Eine   knappe   Stunde,   im   wahrsten   Sinne   des   Wortes,   handgemachter Musik   geht   zu   Ende.   Kein   Mikrofon,   nirgends   ein   Kabel,   keine   Technik   und   kein   Mixer!   Der   Sound   eines   spontanen Orchesters, lupenrein und völlig natürlich von Hand gemacht, das live zu erleben, was für ein Genuss! Allerdings   hätte   ich   mir   gewünscht,   irgendein   mutiger   Verantwortlicher   in   einem   Schulamt   hätte   den   Lehrkörper   und viele   Schüler   animieren   können   und   dürfen,   hierher   zu   kommen   und   diese   lebendige   Alternative   zum   sterilen   DSDS-TV- Zirkus   und   die   gemeinsame   Freude   am   Musizieren   erleben   können.   Dann   hätten   wir   vielleicht   auch   mal   wieder   eine ehrliche   Chance   auf   gute   Musik   im   Radio   oder   sogar   beim   Eurovision   Song   Contest   und   textliche   „Ausrutscher“   mit menschenverachtenden   Inhalten   wären   von   vorn   herein   jeder   Grundlage   beraubt.   Doch   solange   wir   das   Feld   „Bohlen   & Brettern“ überlassen, entsteht nur ein Haufen inhaltsloser Späne, nichts sonst. Nach   dem   Konzert   beginnt   das   Verabschieden,   die   Teilnehmer   fahren   zurück   in   ihre   Wohnorte   und   Heimatländer.   In meinem   Gepäck   habe   ich   endlich   einen   Silberling   der   17   HIPPIES,   signiert   von   den   drei   Musikanten,   die   für   schwingende Hüften    und    ein    zauberhaftes    miteinander    Erleben    ihr    Bestes    gaben.    Natürlich    habe    ich    mir    vorgenommen,    im kommenden Jahr wieder als Gast dabei zu sein.