Lebensgefühl Rockmusik HH aus EE
ULMAN im Eulenbergschen Hof zu Elben 29.06.2024 Bei CÄSAR sah ich Till Uhlmann als einen seiner Spieler mit Geige und Drehleier. Man erzählte von der Folk-Band namens Ulman, mit den Brüdern und ihm als Cousin. Wenn die drei gemeinsam als Band musizieren, so sagte man mir, wird ein Ereignis daraus. Ulman sind in der alternativen Folk-Szene zu Hause, genauer war die Musik wohl nicht zu beschreiben. Diverse Preise zeugen von Innovation, viel Spielfreude und kreativem Mix, den man, auf drei CDs gepresst, hören kann. Man jubelte Ulman beim Tanzfest in Rudolstadt zu, sie waren zu internationalen Events eingeladen und manchmal sah man sie hierzulande auch. Das alles machte mich neugierig, wollte ich selbst entdecken, aber es gab nie eine Chance. Doch heute werde ich die „Ulmänner“, nach Jahren des Wartens und Suchens, endlich selbst live erleben. Ein Konzert im Eulenbergschen Hof von Klaus Adolphi (Horch & Aberlours) in Elben ist angekündigt und da möchte ich unbedingt dabei sein. Von diesem Hof geht nämlich ein lockender Ruf über das Harzer Land, und weit darüber hinaus, in die Welt! Der Eulenbergsche Hof, mit der alten Scheune ohne Dach, aber mit Empore und Bühne, ist ein Kleinod mitten im Nirgendwo. Hier gab Mane Krug sein letztes Konzert. Alles rustikal, natürlich, ursprünglich und liebevoll hergerichtet. HORCH an allen Ecken, Winkeln und Flecken. Ich fühle mich wie zu Hause. Ulman haben sich, welch Wunder, nach Jahren der Abstinenz, wieder formiert: drei Uhlmänner und ein Neuer, Ritchie Seifert, am Schlagwerk. Vor dreizehn Jahren fand hier eines ihrer letzten Konzerte statt, diesmal ist es das erste. Ein Paukenschlag in der Szene und den kündigt Klaus Adolphi, Herr des Hofes und ostdeutsches Folk-Rock-Urgestein, höchstpersönlich, rezitierend und singend, an. Der Eulenbergsche Hof, mit der alten Scheune ohne Dach, aber mit Empore und Bühne, ist ein Kleinod mitten im Nirgendwo. Hier gab Manfred Krug sein letztes Konzert. Alles rustikal, natürlich, ursprünglich und liebevoll hergerichtet. HORCH in allen Ecken, Winkeln und Flecken. Ich fühle mich wie zu Hause. Ulman haben sich, welch Wunder, nach Jahren der Abstinenz, wieder formiert: drei Uhlmänner und ein Neuer, Ritchie Seifert, am Schlagwerk. Vor dreizehn Jahren fand hier eines ihrer letzten Konzerte statt, diesmal ist es das erste. Ein Paukenschlag in der Szene und den kündigt Klaus Adolphi, Herr des Hofes und ostdeutsches Folk-Rock-Urgestein, höchstpersönlich, rezitierend und singend, an. Als die Drehleier von Till zu singen beginnt, fühle ich mich an fremde Orte versetzt. Durch meine CD ahne ich, was geschehen wird, der reale Sound aber haut mich vom Hocker, sprich Klappstuhl. Überall vibriert plötzlich die Luft und die Grooves drücken gegen das alte Gemäuer. Ich bin überrascht, wie dieses „Pillet Pallet“ melodisch stampft, wie mich das Unbekannte erfasst und mich entführt. Schräge Rhythmik für zauberhafte Klänge. Ich habe das Gefühl, hier werden locker fernöstliche und keltische Zutaten miteinander vermengt und jemand tanzt Hip-Hop dazu. Die vier hebeln grade alle Schubladen aus, schreiten mühelos durch die Musikstile und nennen so etwas dann „GehÜbung“ Das ist krass, aber überaus exzellent! Jedes dieser Instrumentalstücke birgt neue Überraschungen und als ich denke, dass keine Steigerung mehr möglich ist, kommt „Elins DnB“ um die Ecke. Die Stimmen einer schwedischen Vokal-Gruppe, die Ulman in Rudolstadt trafen, wurden „gesampelt & gedreht“, so die Erklärung, aber die Band integriert den Gesang der Frauen live in den Klang von Drums, Drehleier, Akkordeon und Posaune. Das haut die Leute hier vom Hocker und mich erfasst Altersextase. Mitten im ostdeutschen Nirgendwo, wo Straßen über dreißig Jahre lang unberührt blieben, erklingt Weltmusik, die doch keine ist, doch verdammt geil über die Rampe kracht. Diese irre Mixtur von Melodien aus dem diatonischen Akkordeon (Johannes Uhlmann), von Geige und Drehleier des Hurdy-Gurdy-Man (Till Uhlmann), der donnernden Rock-Posaune von Andreas Uhlmann sowie den hämmernden Beats vom Schlagwerk (Ritchie Seifert) ist nichts fürs Dudelradio der Medien, aber ein Genuss und eine Offenbarung für jeden, der sich Musik gern neu erschließen möchte. Mich begeistert, wie Till, mit Drehleier oder Geige, ständig „in action“ mit Andreas und der Posaune agiert. Die beiden sind ein wirbelndes Duo und nur dann, wenn Andreas zu einer seiner Flöten greift und die Töne des Hurdy-Gurdy-Man leiser werden, kann man sich mal zurücklehnen und in sich gehen. Dann ist die Ulman-Musik das pure Instrumentalmedium zum Meditieren ehe es wieder kracht und scratscht, dass der Widerhall im ganzen Tal zu hören sein muss. Vier Musiker aus Sachsen, deren Herkunft und Vorgeschichte gut ein Extrakapitel ostdeutscher Musik füllen könnte, sind wieder als Ulman auf der Bühne. Sie kommen vom Folk, aber zelebrieren ihn mit ihrer ganz eigenen, eigenwilligen Auffassung vom Musizieren quer durch alle Stile und schamlos aus allen Schubkästen geklaubt. Am Ende ist das Ergebnis modern, zeitgemäß und Richtung weisend, wie ich zwei Stunden lang in Elben bestaunen kann. So viel Spielfreude, so viel Leichtigkeit, aber auch so voller Professionalität Chapeau, das verlangt nach mehr! Eine CD hatte ich, eine zweite ist jetzt bei mir, damit ich mir Nachschlag aus der Konserve holen kann. Als der Abend endet, sehe ich in glückliche und erstaunte Gesichter. Ich selbst stecke voller Adrenalin und suche das Gespräch zur eben gehörten Musik. War das nun Folk-, Welt- oder Rockmusik? Einige sagen “Freestyle- oder Speed- Folk“ dazu, aber ich habe einfach nur verdammt innovativ erdachte und gemachte Musik und geile Sounds aufgesogen. Den ganzen Abend lang habe ich wirklich jede Nuance genießen können, ohne so etwas wie einen „Konzertbericht“ im Hinterkopf zu haben. Als ich mich in der Dunkelheit fahrend über die schmalen Holperstrassen des vergangenen Landes schleiche, bin ich glücklich und irgendwie auch beseelt. Ab und an werde ich mir auch in Zukunft Konzerte gönnen, aber keins von der Stange, sondern wenn, dann eins wie dieses mit Ulman in Elben.