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Love Keys – Mantras und Krishna bei Burchadi                                                                  19.08.2016 Das alte Kloster St. Burchardi befindet sich am nördlichen Stadtrand von Halberstadt. Beinahe hätten wir in dessen Nachbarschaft vor zwei Jahren eine Wohnung bezogen. Der Weg vom Küchen- in den Kräutergarten, am John Cage – Orgelprojekt vorbei, wäre dann ein recht kurzer gewesen. Das Glück hat damals zum Glück anders entschieden, dafür ist der Weg durch die Stadt jetzt etwas länger. Wir sind auch nicht zum ersten Mal hier im St. Burchardi, denn die Cage-Orgel ist ein ganz besonderer und einmaliger Ort, Stille und Musik in sich aufzunehmen. Diesmal allerdings lockt uns das über 700 Jahre alte Burchardikloster mit seinem lauschigen Kräutergarten, einem stillen Plätzchen, versteckt hinter den alten Mauern vom Cage. Heute allerdings wird die Musik etwas „schneller“ sein. Die Musiker ALEAH LANI und BEN JAMMIN haben, jeder für sich, eine interessante Vita aufzuweisen. Seit dem Jahre 2009 gehen sie als THE LOVE KEYS gemeinsam auf musikalische Pilgerreisen, geben sie Konzerte und wenden sich endgültig den Mantras und der Spiritualität von Yoga zu. Davon hatte ich im neuen Umfeld gehört, doch es hat gedauert, ehe sich der passende Moment für so ein Konzert ergeben hat. Dieser lauwarme Sommerabend ist wie geschaffen, sich an einen stillen Ort zu begeben und eine andere musikalische Welt zu entdecken, die mir bis heute ein Buch mit vielen dicken Siegeln, aber auch eine faszinierende Klangwelt geblieben ist. Erst die Experimentierfreude der Beatles hat sie mir ein wenig näher gebracht und verzaubert mich seitdem immer wieder mal. Eingeklemmt zwischen Klostermauern und denen vom Cage, in Sichtweite zum Immobilienobjekt eines Fondsmanagers, einer modernen Sport-Factory und dem Kinopark, strahlt der kleine Kräutergarten so etwas wie minimale Weite und stolze Gelassenheit einer Oase aus. Hoher Baumbewuchs schützt seine Stille vor dem Drängen unseres modernen Kasernenwohnens und coolen Freizeitvergnügens. In den filigranen Mini-Gärtchen wachsen einige wilde Kräuter und eine Wiese mit harmonisch grünen Dellen wie Wogen füllt das Areal und versucht, Leichtigkeit zu vermitteln. Dies ist nicht Fernost, auch nicht Afrika, aber irgendwie auch nicht Deutschland. Ich fühle mich, als wäre ich in einem verwunschenen Garten, wie ich ihn aus manch einem alten Märchen kenne. Einige Besucher haben es sich auf Decken bequem eingerichtet und sich ihrer Schuhe entledigt. Ich hingegen nehme mir einen Gartenstuhl und versuche, mich zu entspannen. So ein Augenblick kommt mir gerade recht. Die beiden Musiker der LOVE KEYS sitzen auf einem kleinen zentralen Hügel, aber in Augenhöhe, und wir alle im Halbkreis davor. Die Töne beginnen leise zu schwirren und eine Stimme singt zerbrechlich wirkende Töne in fremder Sprache dazu. Traditionell, so erfahren wir, beginnen solche Konzerte meist mit dem Gesang von „Ghanesha“, einem heiligen Vers, der die Sinne öffnen soll. Zumindest habe ich das für mich so verstanden, genieße den lang ausufernden Mantra und lasse mich davon „an die Hand nehmen“. Die emotionalen, sich wiederholenden Verse wirken betörend und beruhigend gleichzeitig. Die zierliche ALEAH LANI singt mit eindringlicher Stimme, die hell und kristallklar über das weite Rund, und sicher darüber hinaus, dringt. Ich bin überrascht. Auch beim nächsten und dem darauf folgenden Stück dringt mir dieser Klang tief unter die Haut, fühlt sich beruhigend und traumhaft schön an. Manchmal, wenn sich beide Stimmen vereinen oder, wie bei „Grace Of God“, urplötzlich ein tiefer Basston hinzu kommt, trifft es mich wie eine Wohlfühlwelle, die mir prompt Gänsehaut beschert. Einige der Zuhörer liegen inzwischen völlig entspannt auf den Decken und lauschen, um sich wenig später von ALEAH zum Mitmachen bei so etwas wie Yoga-Bewegungen animieren zu lassen. Alles völlig zwanglos und ich sitze mittendrin, erlebe die Musik einmal auf neue und sehr intime Weise. Es ist, als würden die alten Mantras etwas bewegen, das bisher gar nicht hier war – berauschend und kaum spürbar erhebend. Alles scheint fließend (panta rhei) und dennoch auch miteinander im Klang verbunden, als die beiden da vorn „give yourself up to grace“ singen. Gleich darauf hören wir noch ein Mantra über „Rhada Krishna“, das göttlichen Liebespaar. In diesem Moment muss ich an George Harrison und sein „My Sweet Lord (Hare Krishna & Hare Rama)“ denken und wohl auch ein wenig still in mich hinein lächeln. Doch wie ALEAH LANI in der Abenddämmerung singt, kommt es mir wie ein liebestrunkener Gesang einer Fee, fast unwirklich schön und bezaubernd, vor. Die zierliche Frau ist mit einer begnadeten Stimme ausgestattet! Die begleitenden Töne, die BEN JAMMIN auf dem Piano spielt, kommen mir dazu wie Tränenperlen vor, die vom kleinen Hügel zu uns herab zu rollen scheinen. Doch dieses zarte Zauberbild stören gerade einige Mücken, die es wohl auf die beiden Musiker abgesehen haben. Die Plagegeister können mit den Mantras und „Rhada Krishna“ anscheinend so gar nichts anfangen. Die beiden von LOVE KEYS lassen diesen Event „für alle, die nicht das Glück haben“, so wie wir diesen Abend genießen zu können, langsam ausklingen. „Mögen alle Lebewesen gleich glücklich sein“, sagt ALEAH noch, ehe beide abschließend „fly to the space that’s beyond all illusions“ singen (flieg’ zu dem Ort jenseits aller Illusionen). Auf ihre Bitte hin fassen sich alle bei den Händen, um Stärke und Kraft in Gemeinsamkeit zu fühlen. Es ist ein sehr emotional bewegendes Bild, das sich in diesen Augenblicken sinnbildhaft zeigt und ich denke diesmal an einen alten Film meiner Kindheit: Wenn alle Menschen der Welt. Danach ist die Stille wieder laut und die Begeisterung bei den Gästen groß. Sie lässt sich nicht einfach, nur weil alles ein Ende hat, abbrechen. Deshalb geben beide zum Schluss noch vertonte Verse eines persischen Dichters - Dschalàl ad-Din-ar- Rumi „Berühre die Seele“ - zu Gehör: „Come, come who ever you are“ ist noch einmal sehr emotional berührend, gibt uns aber auch ein wenig Lockerheit mit auf den Weg zurück in die Stadtwohnungen und ins Leben. „Es ist kein Schritt zu klein, wichtig ist nur, dass wir ihn gehen“, sagt uns ALEH zum Abschied und wenn Musik, gleich welcher Art, dazu anregen kann, ist an diesem Abend im Kräutergarten von Burchadi der erste Schritt bereits getan.