Lebensgefühl Rockmusik HH aus EE
JACKPOT & „Gräfin Cosel“ auf der Elbe                                                                            16.10.2010 (In Erinnerung an gemeinsame Stunden mit Till Patzer, den großartigen Musiker und stillen Menschen.) Mir ist seit einigen Tagen, als hätte ich diese berühmte „Leck-mich-am-Arsch-Stimmung“  gepachtet. Das Grundwasser ist endlich raus aus unserem Keller und die Bescherung wird immer deutlicher. Doch jede Misere ist auch eine Chance für einen neuen, vielleicht auch reizvollen Neubeginn und deshalb versuche ich, nach vorn zu schauen. Gegen die nassen Mauern ist kein Kraut gewachsen, das Haus gehört mir nicht, also suche ich nach neuen Reizen. Mit solchen Gedanken im Kopf, schlendere ich über die Dresdner Augustusbrücke in den beginnenden Abend hinein. Ausflug statt Hausarrest! Vor mir die Hofkirche und die Brühlsche Terrasse, hinter mir ein bereits winterfest gemachter Biergarten. Unten haben einige Dampfer angelegt und genau dorthin tragen mich meine müden Knochen mit den roten Schuhen an den Füßen. Die ich dort treffen werde, haben ebensolches Schuhwerk im Gepäck und werden meine Roten begrüßen. Der Zielort heißt „Cosel“ und die Dame ist ein Luxusliner der „Weißen Flotte“, der irgendwie zu den alten Raddampfern nicht passen will.                                                    Alle Fotos dieser Seite kann man durch Anklicken vergrößern. Die Gräfin ist hier schon immer zu Hause und „die Cosel“ ein Wende-Erfolg der Neuzeit, wie mir einer der Musikanten von JACKPOT süffisant ins Ohr flüstert. Schön, sich wieder an gleicher Stelle zu treffen, die Saison ausklingen zulassen und die lästigen Gedanken irgendwo am Ufer abzustellen. Wir nehmen nur den „Hausrat“ einer Kapelle mit an Bord und die Kapelle mich. DANKE Jungs! In der aufkommenden Dämmerung sammeln sich draußen die Fahrgäste, drinnen wird lustig rumgestöpselt, verkabelt und der gute Sound „gecheckt“. Zwischendurch noch eine frische kühles Blonde. Das alles geschieht im Foyer des Elbliners mit dem Rücken zum Wasser der „Gelben Elbe“, wie die Stern-Combo aus Meissen neuerdings frozzelt. Die Bordmannschaft wird neu eingewiesen und ich staune, mit welcher Ruhe und Ausgeglichenheit das alles geschieht. Die Freundlichkeit der Crew wird mich durch den ganzen Abend begleiten, kleine Späße eines Comedians, eigentlich der Stewart der Crw, inbegriffen. Wer’s nicht glaubt, sollte die nächste Dampferfahrt der „Madame Cosel“ mit ihrem Kapitän einfach buchen und sich selbst überzeugen. Dann wird die Gangway freigegeben und zu den Klängen von „Hello Dolly“ sowie „When The Saints (Go Marchin’ In)“ erstürmt sich das vorwiegend reifere Volk die besten Plätze an Bord. Mir ist, als hätten die meisten Gäste bereits ihr Abendmenü im Kopf, denn im Hinterteil, das befindet sich der große Tresen, wird’s schnell voll. Mein Platz ist vorn und dort haben sich die Gäste dezent im Umfeld der Bar verteilt. Beim Ablegen erklingt lässt die Bordkapelle JACKPOT der „King Of The Road“ vom Stapel und als einziger Fan dieser Combo stehe ich singender Weise vor ihr und halte das Geschehen mittels digitaler Fotos fest. Meine roten Schuhe wippen den Takt von „Hit The Road Jack (No More, No More)“ und die sieben roten Schuhpaare mir gegenüber tun es den meinen gleich. Sieben im gleichen Takt und mit einem Streich. Es macht Spaß, den ehemaligen LIFT-Musikanten TILL PATZER mit seinen Freunden live zu erleben. JACKPOT sind Profis, auch wenn erst einmal keiner stehen bleibt, ihren deftigen Boogie, den Swing und Dixieland nehmen sie alle mit auf ihren Platz „im Bauch des Riesen“, um dann, getrieben von den bekannten Melodien und deftigen Thathmen, doch wieder zum Foyer zurück zu kommen. Spätestens aber nach dem zweiten Bier. Dort hören sie wieder den alten Mungo Jerry–Klassiker „In The Summertime (When The Weather Is High)“ und siehe da, die ersten Gäste schwingen ihr Tanzbein oder schauen sich das „wilde“ Treiben vom Oberdeck aus an. Auch dort steigt jetzt die Stimmung, während unten „Yes, Indeed“ erklingt. Die JACKPÖTTE spielen sich in Hochform. Schneidige Bläsersätze von Till Patzer, Jürgen „Heinzel“ Heinzmann (mit der Kuhhaut) und Frank Gerth übertönen die Geräusche aus dem Bauch der „Cosel“, und eine knackige Rhythmusgruppe, Georg „Schorsch“ Fröde am Schlagzeug und Jürgen „Bäumel“ Baum am Bass, sind das Markenzeichen der Band. Der Mann an den Tasten, Reinhard Clausnitzer, und nebenbei Melonär, lockert das Ganze verspielt auf und der Chef an der Gitarre, Michael Heiderich, hält die Zügel fest in seinen Händen und spielt außerdem noch ein geiles Brett. JACKPOT ist Extraklasse und bringt nicht nur den Mini-Luxusliner auf Volldampf. Die würden auch einen Ozeanriesen rocken und der Melonär könnte locker vor Millionären aufspielen. Große Gagen vorausgesetzt! Mir geht’s wieder richtig gut, das Bier steht immer öfter allein auf dem Tisch, denn ich darf knipsender und swingender Weise vor der Band rumhopsen und „schöne“ Bildchen schießen. Mal von vorn, mal von der Seite, von oben und aus dem Gang nach unten zum Örtchen. Es ist der Spieltrieb im Mann, der auf’m Dampfer sein darf. Na und? Ich brauch’ keinen Fernseher mit niveaulosen Doofprogrammen, um einen schönen Abend haben zu können! Die Band intoniert „What A Wonderful World“, ich höre den Armstrong grunzen und der Liner vollzieht im Dunkel, irgendwo hinter Schloss Pillnitz, eine ganze Drehung um seine Mittelachse und richtet seinen Bug wieder dorthin, wo es irgendwo in Richtung „Kansas City“ oder „New Orleans“ geht. Die Stimmung ist toll, die Dampfer voll und es spielt die JACKPOT-Band. Wie sagte Micha, der Chef: Sellerie, so ist das Leben! („C’est la vie“) und zu den Klängen von „I’m Working“ und „Let’s Work Together“ stampft der Koloss flussabwärts. Das Foyer ist gut gefüllt, einige tanzen und eine der freundlichen Borddamen hat Mühe, den Stapel Teller dort hindurch zu bugsieren. Das BLAUE WUNDER wird wieder durchfahren, es geht an der Baustelle Waldschlösschen an der „Hufi-Brücke“ vorbei und dann taucht schon die erleuchtete Silhouette der Stadt aus der Dunkelheit auf. Bei der Wendung auf dem Fluss stampft es im ganzen Dampfer und der Boogie Woogie der Band nimmt diesen Rhythmus zum Abschied auf. Ich habe mir noch einen Zettel mitgenommen, auf dem viele meiner Lieblingslieder für fröhliche Stunden aufgeschrieben sind und die JACKPÖTTER durften ihre Namen dazu kritzeln. Es war wieder ein wunderschöner Abend und vielleicht erhält dieses Stück Papier irgendwann in naher Zukunft mal den Status eines wertvollen Dokumentes, das mich an gemeinsame Stunden mit JACKPOT und TILL PATZER, der mir ein guter Freund wurde, erinnert.