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Erinnerungen an einen 60. Geburtstag - Reinhard Fißler                                              06.02.2017 Weil ich so etwas wie ein Fan bin, hatte man mich, wie einige andere auch, als Gast zu einer Party geladen. Nicht als Reporter, auch nicht als Berichterschreiber. Letzteres begann sich in jenen Tagen gerade zu entwickeln. An jenem Abend wurde mir allerdings, wieder einmal, deutlich, dass eigentlich eine Menge zu erzählen wäre. Zu beinahe jedem der anwesenden Künstler fiel mir etwas ein, das mit meinem Leben auch etwas zu tun hatte. Eine Begebenheit, ein Moment, eine Geschichte. Der Abend als solcher erwies sich auch als eigene Episode, wenn auch eine ganz besondere. REINHARD FIßLER feierte an jenem 6. Februar 2009 seinen 60. Geburtstag und hatte sich, neben vielen Musikern, eine Handvoll seiner Fans erbeten und ich durfte einer von ihnen sein. An ein Bootshaus in Berlin-Grünau, mitten im Grünen und direkt an der Dahme, kann ich mich noch erinnern, obwohl es bei unserer Ankunft schon dunkel war. Ein großer Vereinsraum im Obergeschoss, mit dem Charme einer untergegangenen Zeit. Plötzlich standen wir mitten im Geschehen und konnten dem Jubilar, jeder sehr persönlich, unsere Glückwünsche überbringen. Ein ergreifender Augenblick folgte dem nächsten und jeder hatte eine persönliche Geschichte. Meine ist die meiner Begeisterung für eine bestimmte Musik mit einem besonderen Sänger und einem herausragendem Konzert unter meiner Regie. REINHARD FIßLER hörte mir zu, erinnerte sich und es entstand ein Erinnerungsfoto. Eines von der Sorte, das ich mir heute noch immer gern anschaue, ohne einen faden Beigeschmack zu bekommen. Viele prominente Gratulanten adelten den Geburtstagsabend einfach nur dadurch, dass sie anwesend waren. Darunter viele Gesichter, denen ich schon Jahre zuvor begegnet war und ebenso viele, denen ich erst kurz zuvor über den Weg gestolpert bin. Ich kam mir vor wie in einem Film, der Vergangenes und Gegenwärtiges versucht zu verknüpfen und dieser Abend ist der gordische Knoten, der die beiden Seiten miteinander verbindet. Also huschten die Bilder von damals an mir vorüber, die ich Gesichtern zuzuordnen versuchte: Peter Meyer und Henry Kotowski den Ur-Puhdys, letzteren auch den Sputniks. Axel Stammberger und Michael Behm der Band von Vroni Fischer, Eva Kyselka der längst vergessenen Band Phonolog und Hans die Geige dem Konzert mit Magdeburg und einem wilden Abend in unserer guten „Stube“. Sie alle stehen im Laufe des Abends vor einem ausgewählten Auditorium, um ihrem Geburtstagskind ein Ständchen zu singen oder zu spielen. Oft spontan, ungeplant und voller Gefühl. Es wird ein abwechslungsreicher Abend: Holger Biege an den Tasten, Thomas Putensen auch an den Tasten und mit Gitarre, Andrea Timm mit eigenen Liedern und, als ganz besonderes „Gastspiel“, da kam Edmund Thielow (Beat-Archiv Glauchau) und brachte von Lennon’s Quarrymen Rod Davis mit. Beide gaben uns, mit Gitarre und Waschbrett, den Klassiker „Midnight Special“ zur Mitternachtsstunde. Wir erlebten Karussell in der Minimal-Variante, zwei Mal Raschke mit Huth, und wie die Herren Jäger und Kurzhals den Lebenslauf von REINHARD FIßLER als Rap umzusetzen wussten. Scholle Zöllner kam nach seinem eigenen Konzert vorbei, um zu gratulieren und Renft bewiesen sogar als Trio, dass man auch ohne ein Monster ganz gut rocken kann. So könnte ich die Aufzählung der besonderen Momente locker fortsetzen und – verdammt noch mal – was hätte sich ein Autogrammjäger an diesem Abend mit den Signaturen von Künstlern eindecken können! Ich hab’ damals einfach nur den Moment und den Augenblick genossen. Einen ganz besonderen gab es aber doch noch. Nach vielen Jahren traf ich an diesem Abend einen ehemaligen Gitarristen - Stern Combo Meissen, Reform, Elefant - wieder, mit dem ich auch einige Monate in Berlin des Jahres 1969 „bei der Fahne“, Niederschönhausen, verbrannt habe. Werner Kunze war ein Ausnahmemusiker, der damals das Musikantesein schon an den berühmten Nagel gehangen hatte. Schön, ihn dort in Grünau wieder getroffen und mit ihm geplaudert zu haben. Dieser Abend war ein langer. Er dehnte sich so sehr aus, dass wir weit Angereisten sein Ende nicht mehr erleben konnten. Doch wir waren dabei, als einer vom Jahrgang ’49 seinen 60. feiern durfte. Einem vom gleichen Jahrgang blieb es verwehrt, während mir dieses Jubiläum im gleichen Jahr noch bevor stand. Uns riefen die Betonpiste und die stockdunkle Nacht, durch die wir nach Hause fuhren. Dass dem 60. Jahr von REINHARD FIßLER noch so viele weitere folgen sollten, ahnten wir damals in Grünau wohl alle nicht, aber es war auch niemand darunter, der es ihm nicht gewünscht hätte. Ich werde diese Stunden und den, dem sie galten, niemals in meinem Leben vergessen und immer, wenn ich einen meiner Geburtstage erlebe, denke ich an jene Musikanten meines Jahrganges ’49, denen das nicht mehr vergönnt ist. Danke Euch allen, dass ihr mein Leben mit Eurer tollen Musik, und mitunter auch mit großer Menschlichkeit, bereichert habt.                                                                                   Reinhard Fißler: 6. Februar 1949 - 13. Februar 2016