Lebensgefühl Rockmusik HH aus EE
Elisabeth Lee & Martin Hauke in Goslar 27.05.2022 Im August 2012, also vor fast genau zehn Jahren, rockte sie die Kulturbastion Torgau gemeinsam mit Bet Williams & Band. Damals brannte die Luft und die Nacht vibrierte im Sound von zwei besonderen weiblichen Rock-Röhren. Bet Williams, die filigrane Zauberstimme, und Elisabeth Lee, eine explosive Stimme mit Southern-Blues-Feeling, rockten durch die heiße Sommernacht. Beide Damen wirbelten im Finale gemeinsam über die Bühne und ließen keine Wünsche offen. Heute gibt Elisabeth Lee in Goslar ein intimes Klub-Konzert, gemeinsam mit Martin Hauke an der Gitarre. Eine passende Gelegenheit, die Texanerin aus Austin erneut, und diesmal im familiären Kneipenambiente, zu treffen. Elisabeth ist seit vielen Jahren eine Reisende in Sachen Blues & Rock. Seit etwa sieben Jahren macht sie das als Duo mit Martin Hauke, einst Gitarrist der Stones-Tribut-Kapelle Voodoo Lounge. Von ihnen gibt es mittlerweile drei Alben, aus denen sie heute einige Songs live präsentieren wird. Zehn Minuten vor Konzertbeginn steht sie noch sehr entspannt plaudernd direkt hinter uns, während ich mich über mein vergessenes „Konzertbesteck“ ärgere. Es gibt eine Ansage, dann gehen Elisabeth und Martin vor zum Podium. Er schnappt sich Gitarre, sie das Tambourin und im bestens gefüllten Hof-Cafè begrüßen einige Fans aus Dänemark das Duo besonders freudig. Dann klingen die Saiten, schwingt die Lady ihr Tambourin zur Melodie von „The Travellers“, die sie ja selbst sind. Ein wenig dezent noch, kann aber auch sein, es kommt mir, heute etwas weiter hinten stehend, nur so vorkommt. Doch schon mit dem Song von der „Whitehouse Road“ nimmt die Reise langsam Fahrt auf: „Early in the morning when the sun does rise“. Diese rauchige Blues-Stimme plus eine einfühlsam gespielte Gitarre herrlich und jetzt spüre ich fast schmerzlich, dass mir mein „Konzertbesteck“ fehlt. Mit dem groovenden „Car Wheels On A Gravel Road“ erzählt die Sängerin weiter vom Reisen auf den Schotterstraßen übers Land. Vor mir wiegen sich einige Damen rhythmisch in den Hüften, mit meiner versuche ich es vorsichtig auch. Es klappt wieder, welch schönes Gefühl, das man gut mit Rock’n’Roll, gerne auch Blues, ausleben kann! Ich genieße es mittlerweile, der Musik, statt den „großen Stars“ den Vorrang einzuräumen, dafür den Musikanten nah sein zu können. Martin Hauke spielt seine akustische Gitarre sehr sparsam, die jeweiligen Songs unterstreichend, aber exzellent und sehr wirkungsvoll. Das gefällt mir, weil auf diese Weise gut zu hören ist, wie Elisabeth Lee mit ihrer Stimme die viele Nuancen ausspielen und so die Songs emotional und individuell ausgestalten kann. Ganz besonders jene Songs, die nicht aus eigener Feder stammen. Als sie „Prove You Wrong“ anstimmen, das ich von Sheryl Crow kenne, schwappen Hitze und Rhythmus des Songs in den kleinen Saal. Jetzt ist die Stimmung perfekt, das ist im besten Sinne live und ursprünglich. Ganz relaxt schieben beide noch „Overrated“ hinterher und heizen dann mit „Rock Little Sista“ wieder kräftig im Boogie-Rhythmus ein. Am Stehtisch nahe der Wand, im hinteren Teil des Raums, vermisse ich immer noch mein „Konzertbesteck“. Wie gern würde ich jetzt einige der mitreißenden Szenen da vorn auf dem Podium einfangen, aber einfach nur stehen und aus dem Hintergrund den Sound der Musik genießen, ist auch mal wieder ein schönes Erlebnis. Die beiden Musiker gönnen sich und uns eine kleine Unterbrechung. Für die einen Zeit für ein frisches Bier, für mich der Moment, eines der Poster vom Fenster zu entfernen. Souvenirs von Konzerten sind wie das Salz in der Suppe, eine Erinnerung, die man eingerollt (und signiert) mit nach Hause nimmt. Als dann die Melodie von „My Hometown“ erklingt, stehe ich am Tisch und die Dänen betreten auch wieder den Raum. Elisabeth und Martin präsentieren die Songs zwischen Blues, Boogie und Country in eigenen Bearbeitungen, so dass man staunend zur Kenntnis nimmt, wie neu und reizvoll sie dadurch live von der Rampe kommen. „Color Of The Blues“, ein alter Country Song, sowie „Midnight Rider“ von den Allman Brothers begeistern mich und die Dänen neben mir jubeln jedem der Songs regelrecht zu. Mir gefällt ihre entspannte Version von Tom Petty’s „Swinging“. Nur von Akustikgitarre begleitet, fühlt sich die Melodie sehr intim an und zur Verfeinerung spielt Martin ein heißes Solo dazu. Zum Abschluss des Konzerts spielt Elisabeth mit „Blue Sky“ noch einmal eines ihrer eigenen Lieder, ehe sie und Martin sich dankend vor uns verbeugen. Im Kneipenraum dröhnen jetzt laute Rufe und Pfiffe, allen voran die freundlichen Dänen. Mein „Konzertbesteck“ habe ich längst abgehakt, fast vergessen. Elisabeth Lee und Martin Hauke lassen sich nicht lange bitten. Noch einmal greifen die beiden tief in die Kiste ihrer persönlichen Lieder. Diesmal erwischen sie mich voll auf die Zwölf und beim „Southern Accents (where I come from)“ beschleicht mich doch noch eine Gänsehaut. So wie von Elisabeth habe ich diesen Song von Tom Petty noch nie gehört. Da spürt man plötzlich, wie das Herz der Rocklady da vorn schlägt. Einfach beeindruckend und wunderschön. Für mich ist dies der krönende Abschluss und sehr emotionale Höhepunkt eines Konzerts, das gut und gerne unter „unplugged“ angekündigt werden könnte. Jedenfalls habe ich die Nähe und intime Atmosphäre im Hof-Cafè von Goslar sehr genossen, obgleich mein „Konzertbesteck“ zu Hause blieb. Das Poster haben mir beide signiert und Elisabeth hat sich an jenes Konzert in Torgau erinnert. Danke für diesen intimen Abend in den Goslarschen Höfen. NACHTRAG: Was mir in all den Jahren noch niemals passiert ist, wurde an diesem Abend leider Realität. Aufgrund unglücklicher Umstände blieb mein „Konzertbesteck“, inklusive Kamera, zu Hause liegen. Mein besonderer DANK gilt deshalb Herrn Ernst-Dietrich Habel (aus Goslar), der mir überaus freundlich und unkompliziert einige seiner Schnappschüsse zur Verfügung gestellt hat, um damit meine Zeilen mit optischen Eindrücken zu ergänzen. VIELEN HERZLICHEN DANK dafür!